Die Burg des Heiligen Michael – Ein Turm in der Ferne

Ich sitze im Café Brazil in Zadar, genieße eine große Tasse Kaffee und bewundere das in der Sonne glitzernde Meer. Während ich den Klängen der Meeresorgel nebenan lausche, braucht es nicht lange bis ich mir eingestehen muss, dass mein Vorhaben hier und heute noch etwas zu lernen nichts mehr wird. Lieber lasse ich mein Blick bei dieser fast schon meditativen Stimmung über den Horizont gleiten. Auf der Insel gegenüber fällt mir schon bald im Schatten des Lichts ein aufragender Turm auf. Was ist das frag ich mich und wie muss es wohl sein von dort aus in meine Richtung zu blicken?

Ich entscheide mich den Kellner zu fragen was sich dort drüben in nicht all zu weiter Ferne befindet. Meine Neugier bleibt nicht lange ungestillt. Ich finde heraus, dass es sich um den Antennenturm handelt, ein kaltes Stahlgerüst das in den Himmel ragt: ein für mich eher unattraktiv klingendes Ausflugsziel. Ich höre jedoch weiter zu und erfahre das dieser sich in der Mitte einer alten Burg aus dem 13 Jahrhundert namens Heiliger Michael (Sveti Mihovil) befindet. Die Sache wird also wieder Interessant für mich.

Wie kommt man dort hin?

Er empfiehlt mir mit der Fähre (nahe der Brücke) zur Stadt Perko auf die Insel Ugljan zu fahren und von dort aus nach oben an die Spitze zu wandern. Gesagt, getan! Ich besorge mir also ein Ticket (15 kn pro Strecke – Nebensaison) für den nächsten Tag, 09:30 Uhr soll es losgehen.

Für mich untypisch bin ich überpünktlich am Startpunkt. Das Passagierschiff von Jadrolinja steht bereits an Ort und Stelle. Ich betrete also das Schiff und suche mir einen Sitzplatz. Die meisten Plätze finden sich im Schiffsinneren, aber wer etwas früher kommt ergattert einen der begehrten Stühle auf Deck. Hier kann man die Sonne genießen, den Wind in den Haaren spühren und den vom Motor erzeugten Wellengang bewundern.

Nach einer nicht mal 15 minütigen Fahrt, welche meiner Meinung nach gerne hätte länger sein können, komme ich am Zielhafen Perko an: von hier aus soll meine Wanderung zur Burg des Heiligen Michael starten. Ich steige von Bord und gehe den Steg entlang Richtung Zentrum. Beim Wandern die Orientierung zu behalten ist für mich nicht sonderlich schwer, man folgt letztendlich nur den Schildern. Aber was, wenn erstmal keine Schilder da sind? Während ich mich mental schon mal mal auf eine Erlebniswanderung einstelle, frage ich ein nettes Ehepaar das mein Weg kreuzt nach den nächsten Schritten. Etwas klüger mache ich mich also auf den Weg und beginne mit der Wanderung in unbekanntes Gefiede.

Zu meiner Erleichterung tauchen an den Kreuzungen meines Weges immer wieder wegweisende Schilder auf, jedoch nicht überall. Die Strecke führt mich stets bergauf immer weiter in die Mitte der Insel, die Burg ist jedoch noch nicht in Sicht. Vorbei an Olivenbaumfeldern und unendlichen Weiten von Land frage ich mich wer in den vereinzelnd auftauchenden Häusern wohl wohnt und welche Hobbies diese Leute wohl haben? Klatsch und Tratsch bleibt hier schätzungsweise nicht lange geheim. Der überwiegend steinige Weg ist angenehm zu laufen, festes Schuhwerk sollte man aber trotzdem auf jeden Fall tragen. Immer wieder rutsche ich aufgrund der Steigung leicht ab.

Nach circa 1 Stunde ist die Burg des Heiligen Michael zum Greifen nah. Der Ausblick beschränkt sich nun nicht mehr nur auf die Fauna und Flora der Inselmitte sondern bietet einen weitläufigen Blick auf die Rückseite der Insel.

Die Burg des Heiligen Michael

Ich mache erstmal die obligatorischen 50 Fotos und reiße mich los um mein Ziel zu erreichen. Das letzte Streckenstück ist nichts für schwache Gemüter. Es geht steil bergauf, ich kann jetzt schon den Muskelkater von morgen spühren. Umso größer die Freude, als ich nach insgesamt etwas über einer Stunde am Ziel ankomme.

Oben angekommen kann ich mich gar nicht entscheiden welche Mauerseite ich zuerst erklimmen will. Sperliche Sicherungen an den zerfallenen Stufen machen es zu einem Erlebnis von Eckpunkt zu Eckpunkt zu klettern. Ich fühle mich zurückversetzt in meine Kindheit und springe auf jede Stufe, jede Mauer, jedes Dach. Sitzend bewege ich mich zu den ungesicherten Abgründe und lasse meine Beine baumeln. Der Ausblick ist schlicht und ergreifend atemberaubend.

Ich treffe auf einige Gleichgesinnte die sich für ein Foto wagemutig und ich möchte hinzufügen verbotenerweise in schwindige Höhen auf den Antennenmast wagen. Die Kletteraktion auf das unstabile Gerüst lässt mich allein als Zuschauer schon Angst und Panik bekommen… wenn auch das entstandene Foto von dort oben wirklich beeindruckend ist.

Nach 2 Stunden mache ich wieder auf den Rückweg. Mir fällt auf dass ich mir die schilderlosen Kreuzungen besser hätte merken sollen. Trotz einigen Umwegen schaffe ich es rechtzeitig zurück auf die Fähre, diesemal eine große, welche nicht direkt nach Zadar fährt, sondern zum nahegelegenen Hafen. Mit der Linie 9 geht es allerdings recht prommt weiter zurück in die Stadt, wo ich meine Beine hochlege, meine Fotos bewundere und den vergangenen Tag nochmal revue geschehen lasse.

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